Hard-Techno-Szene unter Druck – Zwischen Vorwürfen und Veranstalter-Reaktionen

by Marcel
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Eigentlich mache ich gerade Social-Media-Pause.

Weniger Scrollen, weniger Kommentarspalten, weniger dieses permanente Gefühl, überall gleichzeitig mitdiskutieren zu müssen. Entsprechend habe ich von den aktuellen Vorwürfen gegen mehrere Hard-Techno-Artists zunächst nichts mitbekommen – bis erste Veranstalter begannen, ihre Line-ups anzupassen.

Also doch wieder Instagram geöffnet – nicht zum Scrollen, sondern zum Einordnen. Und da war sie: eine Szene im Ausnahmezustand. Vorwürfe, Screenshots, tausende Kommentare. Anschuldigungen stehen im Raum, Quellen bleiben oft unklar. Die Dynamik ist enorm – die Einordnung schwierig. Bevor man sich von der Welle mitreißen lässt, lohnt sich ein Blick auf das, was wir aktuell tatsächlich wissen.

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Ursprung der Debatte: Instagram-Account erhebt Vorwürfe gegen Hard-Techno-Artists

Ausgangspunkt der Diskussion sind Beiträge eines Instagram-Accounts, der mehreren Artists aus der Hard-Techno-Szene grenzüberschreitendes Verhalten im privaten Kontext vorwirft. Namen werden genannt, Inhalte geteilt, Diskussionen entfacht.

Was derzeit nicht bekannt ist: öffentlich bestätigte strafrechtliche Verfahren oder juristisch belegte Sachverhalte. Dennoch verbreiteten sich die Social-Media-Vorwürfe innerhalb weniger Stunden rasant – inklusive wachsendem Druck auf Künstler und Veranstalter.

Die Szene reagiert. Aber nicht einheitlich.


CARV veröffentlicht Statement und kündigt Pause an

Einer der genannten Artists, CARV, äußerte sich inzwischen persönlich zu den Vorwürfen. In seinem Statement räumt er ein, während seiner Ehe explizite Chats geführt und intime Bilder verschickt zu haben. Gleichzeitig betont er, dass es sich um einvernehmliche Kommunikation gehandelt habe und kein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten vorliege. Kurz darauf kündigte er an, sich vorerst aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen.

Diese Reaktion wird innerhalb der Community unterschiedlich bewertet – zwischen Verantwortungsübernahme und Schadensbegrenzung. Klar ist: Der Druck auf betroffene Artists ist spürbar.

Quelle: DJ Mag Germany


Line-up-Änderungen bei Open Beatz, Verknipt und Mehr

Einige Veranstalter reagierten zeitnah auf die Vorwürfe gegen die Hard-Techno-Artists.

Das Open Beatz Festival passte sein Line-up an und strich betroffene Artists vorerst aus dem Programm. Auch das niederländische Event-Brand Verknipt entfernte Artists aus bevorstehenden Shows. Beide betonen die Verantwortung gegenüber Besucher:innen und Community – auch ohne juristische Bewertung der Vorwürfe.

Hier steht ein Signal im Vordergrund: Im Zweifel Distanz.
Reputationsschutz und Community-Sicherheit wiegen schwer.


Dominator Festival verweist auf die Unschuldsvermutung

Einen anderen Weg geht das Dominator Festival. Dort erklärte man, solange keine nachweislich belegten Vorwürfe oder rechtlichen Konsequenzen vorliegen, sehe man keinen Anlass, Änderungen am Line-up vorzunehmen.

Diese Haltung beruft sich klar auf die Unschuldsvermutung – ein rechtsstaatliches Prinzip, das auch in der elektronischen Musikszene gilt. Die unterschiedlichen Reaktionen zeigen, wie sensibel Veranstalter inzwischen auf Social-Media-Vorwürfe reagieren – und wie verschieden die Strategien ausfallen.


Hard-Techno-Szene zwischen Verantwortung und Rechtsprinzip

Was sich hier abzeichnet, ist mehr als ein einzelner Vorfall. Die Hard-Techno-Szene befindet sich in einem Spannungsfeld:

Auf der einen Seite steht der Anspruch vieler Veranstalter, ein sicheres Umfeld zu schaffen und frühzeitig zu handeln. Auf der anderen Seite das Prinzip, niemanden ohne belegte Tatsachen öffentlich vorzuverurteilen.

Social Media verstärkt diesen Konflikt. Vorwürfe entstehen digital, verbreiten sich in Echtzeit und erzeugen unmittelbaren Handlungsdruck. Juristische Klärungen hingegen benötigen Zeit – und verlaufen selten im Takt der Kommentarspalten.


Aktueller Stand der Vorwürfe

Zum jetzigen Zeitpunkt sind keine öffentlich bestätigten strafrechtlichen Verfahren bekannt. Mehrere Artists bestreiten strafrechtliches Fehlverhalten oder äußern sich ausschließlich zu privaten Aspekten der Anschuldigungen.

Wie sich die Situation weiterentwickelt, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Die Debatte über den Umgang mit Vorwürfen in der Hard-Techno-Szene wird Veranstalter, Artists und Community weiter beschäftigen – auch über diesen konkreten Fall hinaus.

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