Als ich im Januar meinen Vorbericht zum Arena Rave geschrieben habe, war meine Haltung klar: Ich wollte verstehen, was hinter dem aktuellen Hard-Techno-Hype steckt. Am 28. Februar stand ich dann tatsächlich in der Westfalenhalle Dortmund – mitten in der Menge, mitten im Nebel, mitten im Bass.
Und genau dort wurde mir relativ schnell klar: Dieser Abend würde interessant werden. Aber nicht unbedingt so, wie ich erwartet hatte.
Der Anfang: Bass, der im Zwerchfell arbeitet
Der erste DJ des Abends bewegte sich musikalisch irgendwo zwischen Techno und Hard Techno – noch nicht komplett eskalativ, aber deutlich härter als klassischer Club-Techno.
Was sofort auffiel, waren die tiefen Bässe.
Diese Art Bass, die nicht nur hörbar ist, sondern körperlich arbeitet – direkt im Zwerchfell. Wer früher bei der Qult-Reihe von Q-dance unterwegs war, kennt dieses Gefühl: Dieser Druck, der sich nicht nur über Lautstärke definiert, sondern über Frequenzen, die den ganzen Raum bewegen.
Das war ein starker Einstieg.
Der spannendste Moment des Abends
Richtig interessant wurde es danach.
Plötzlich tauchten Elemente auf, die ich aus einer ganz anderen Zeit kenne:
Der Sound erinnerte stellenweise stark an das, was früher als Schranz bezeichnet wurde – dieser rohe, industrielle Hardtechno, geprägt von Artists wie Sven Wittekind, Andi Teller, Boris S oder Sutura.
Doch gleichzeitig waren da Einflüsse aus einer anderen Welt: Hardstyle-artige Kicks, Breaks und Strukturen.
Diese Mischung funktionierte überraschend gut.
Härte, Groove und Energie griffen ineinander – ein Sound, der gleichzeitig vertraut und neu wirkte.
Das war für mich der stärkste Teil des Abends.
Wenn Härte zur Monotonie wird
Je später der Abend wurde, desto mehr verschob sich der Fokus jedoch.
Die Musik wurde härter.
Schneller.
Aggressiver.
Aber gleichzeitig auch eintöniger.
Zeitweise fühlte es sich an wie Hardstyle ohne das, was Hardstyle eigentlich spannend macht.
Denn Hardstyle lebt für mich nicht nur von harten Kicks. Die Magie entsteht durch den Aufbau:
Melodien, die fast schon in Richtung Trance gehen.
Breaks, die Raum zum Atmen lassen.
Vocal-Momente, die Emotionen erzeugen – bevor der nächste Drop alles wieder aufbricht.
Diese dramaturgische Reise fehlte an vielen Stellen.
Was blieb, war Druck. Viel Druck. Aber wenig Entwicklung.
Hard Techno und die verlorene Essenz
Interessanterweise erinnert mich ein Teil des modernen Hard Techno an Rawstyle – nur ohne dessen Essenz.
Die Härte ist da.
Die Energie auch.
Aber der Spannungsbogen fehlt.
Viele Tracks wirken wie eine Endlosschleife aus Kick, Drop und Energie – ohne die emotionalen oder melodischen Momente, die einen Track wirklich erinnerbar machen.
Der Headliner: Noch eine Schippe härter
Mit Holy Priest wurde die Intensität des Abends nochmal gesteigert.
Das Set war technisch sauber und zweifellos brutal druckvoll. Für viele in der Halle war genau das der Höhepunkt des Abends.
Für mich persönlich fühlte es sich jedoch eher wie eine weitere Eskalationsstufe an – härter, schneller, intensiver, aber nicht unbedingt spektakulärer.
Der Wow-Moment blieb aus.
Fazit
Der Arena Rave hat mir gezeigt, warum Hard Techno aktuell so viele Menschen begeistert: Die Energie, die Geschwindigkeit und die kompromisslose Härte funktionieren auf großen Floors hervorragend.
Gleichzeitig wurde mir aber auch klar, warum ich persönlich weiterhin beim Hardstyle zuhause bin.
Denn dort geht es nicht nur um Druck.
Dort geht es um Reisen.
Und genau diese Reise habe ich an diesem Abend stellenweise vermisst.